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Albrecht Schnabel, Marcus Schwier
© Albrecht Schnabel, Marcus Schwier
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Wohnen am Yachthafen Lindau (Bodensee)

Aus einem Realisierungswettbewerb heraus entstand auf dem Areal der einstigen Lateinschule auf der Insel Lindau eine Wohnanlage mit insgesamt 35 Wohneinheiten. Der Komplex gliedert sich in einen Neubau, der an der Stelle des ehemaligen Schul­gebäudes aus den 60er Jahren errichtet wurde, und ein weiteres Schulgebäude von 1910, das als Villa zu einem Wohngebäude umfunktioniert wurde.

Das Gebäudeensemble ist baulich mit dem heutigen Stadttheater verbunden. Den Realisierungswettbewerb gewann Prof. Ernst Kasper aus Aachen, der das Projekt gemeinsam mit seinem Schüler Wolff Stottele von der Kunstakademie Düsseldorf realisierte. 2010 verstarb Prof. Kasper jedoch vor Vollendung seines letzten Entwurfs.

Das Projekt zeichnet sich städtebaulich durch das schrittweise Freilegen der umgebenden Typologien und das Schaffen einer eigenen Form aus, welche mit dem Vorhandenen verbunden und dennoch eigenständig ist. Es geht dabei auf die vorgefundenen Strukturen ein und komponiert spannende Wechselbeziehungen. Auf diese Weise entstanden Gebäude, die mit den bestehenden Bauten Räume erzeugen, welche wir als Stadt empfinden und die uns dennoch Möglichkeiten für eigene Vorstellungen lassen. Der Neubau zeichnet dabei den früheren Klosterbau in abstrahierter Form nach. Gemeinsam mit den umgebenden Baukörpern entstanden Freiräume und Plätze von hoher stadträumlicher Qualität.

 © Albrecht Schnabel, Marcus Schwier
© Albrecht Schnabel, Marcus Schwier
Das innere Raumkonzept strebt möglichst offene und zugleich individuelle Räume an. Die Inszenierung der bemerkenswerten Ausblicke in alle Himmelsrichtungen verdeutlicht die direkte Beziehung des Wohngebäudes zu seiner Umgebung. Durch vorgelagerte Loggien oder großzügige Dachterrassen werden die Wohnungen bis in den Außenraum erweitert. Eingefasst werden die zum Innenhof gerichteten Loggien durch eine imposante Fassade mit bogenförmigen Öffnungen. Das markante Motiv des Bogens wurde hier allerdings nicht verwendet, um eine historisierende Fassade zu erzeugen, vielmehr wurde die Wand unstatisch ausgebildet und soll zweidimensional und leicht wirken – wie eine dünne Hülle, aus der Teile herausgestanzt wurden. Dies verleiht der Fläche einen zeitlosen Charakter und verdeutlicht klar die Entwurfshaltung der PlanerInnen.

An der Westfassade geht eine leicht schräg gestellte Wand fließend in das Dach über. Das verwendete Material, eine Deckung aus grau-grünen Schieferplatten, kommt für Dach und Fassade gleichermaßen zum Einsatz und verstärkt die Homogenität beider Einheiten. Das Gebäude entwickelt seine Individualität nicht nur nach außen hin, auch im Inneren entstanden identitätsstiftende Wohnungen, die sich zum Teil über drei Geschosse erstrecken und in Dachterrassen mit Ausblick auf die Dachlandschaft der Inselstadt, auf den See und die Berge münden.

Elwert & Stottele verstehen, inspiriert von Ernst Kasper, die Wohnung bei ihren Entwürfen nicht als ein seriell gefertigtes, funktionalistisches Massengut, sondern als Teil eines sich auf mehreren Ebenen überlagernden Lebensraums. Nicht nur die Wohnung als solche gilt es aus Sicht der ArchitektInnen in der Planung zu berücksichtigen, auch die Analyse des Ortes, an dem ein Gebäude entsteht, nimmt einen großen Teil ihrer Entwürfe ein. So entstehen schließlich Projekte, die mit der Umgebung in Einklang stehen und durch ihre innere Raumgestaltung hohe Aufenthaltsqualität schaffen.

Baujahr
2012
Bauherr
Rhomberg Bau GmbH, Bregenz
Fläche
Neubau 5.705 m², Altbau 2.678 m²
Standort
An der Kalkhütte 2-4
88131 Lindau (Bodensee)
Deutschland
Beteiligte
Arbeitsgemeinschaft mit Prof. Ernst Kasper, Aachen

Elwert & Stottele

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