Logo des Deutschen Architektur Verlages
 Hélène Binet, Hannes Henz
© Hélène Binet, Hannes Henz
Buch
EBook
App

Mehrgenerationenhaus Giesserei

Inmitten des Entwicklungsgebiets Neuhegi, unweit des pa­rallel entstandenen Eulachparks machten sich Galli Rudolf Architekten zur Aufgabe, ein Bauwerk zu platzieren, welches mit der Dimension des vorliegenden Grundstücks ­umzu­gehen weiß. Der Masterplan für das Gebiet sah vor, dem Grundstück der ehemaligen Giesserei der Firma Sulzer in Oberwinterthur ein neues Gesicht zu geben und brachte vor allem ­ökologische Vorgaben für den Neubau mit sich. Das Architekturbüro entschloss sich deshalb dazu, einen reinen ­Holzbaukörper entstehen zu lassen. Von dieser Bauweise sind nur die Treppenhäuser, das Untergeschoss und die Innenverkleidungen der Wohnungen ausgenommen, um den Brandschutzkriterien für Holzbauten dieser Höhe gerecht zu werden.

Es entstand ein Gebäudekomplex, der sich aus zwei sechsgeschossigen Längsbauten in Nord-Süd-Richtung und den niedrigeren Querbauten zusammensetzt, in deren Mitte sich ein offener Hof befindet. Das Wohnhaus zählt insgesamt 155 Wohnungen mit acht Treppen­häusern und in jedem Geschoss sind im Schnitt fünf Wohnungen pro Treppenhaus erreichbar.

Im Zusammenhang mit der Holzkonstruktion steht das engmaschige Zimmerraster, welches die Grundrisse formt und eine Vielzahl an unterschiedlichen Raumgefügen und Wohnungsgrößen ermöglicht. So entstanden insgesamt 43 differenzierte Wohnungstypen, welche die Rahmenbedingungen für das ­generationsübergreifende Wohnen in der alten Giesserei darstellen.

 © Hélène Binet, Hannes Henz
© Hélène Binet, Hannes Henz

Im Erdgeschoss befinden sich zunächst unterschiedliche ­öffentliche Nutzungen, wogegen sich in den Geschossen darüber die Wohnungen erstrecken. Diese verfügen jeweils über zwei bis sieben Zimmer, bis auf eine für Wohngemeinschaften vorgesehene Ausnahme mit neun Räumen. Im Ost-West-Komplex befinden sich einseitig Kleinstwohnungen, die sich entlang der effizienten Wegführung erschließen lassen. Eine Besonderheit dieses Wohnhauses sind die sogenannten »Jokerzimmer«, welche jeweils über ein Bad verfügen und einzeln zu mieten sind.

Die Grundrisse der Wohnungen sind in einem modularen System aufgebaut, wodurch eine durchgehende Raumstruktur von Eingangsbereich, Erschließung und Wohn- und Essbereich ermöglicht wird. Die Wohnzimmer zeichnen sich an der Fassade als ein- oder zweigeschossig mäandernde Loggien ab. Diese »Gartenzimmer« als fortlaufendes und wiederkehrendes Element bilden begehbare Raumschichten, welche das Fassadenbild der vier langen Seiten der Längsbauten bestimmen. Die ­Brüstungen der Loggien sind zudem als farbige, horizontal gestaffelte Holzlamellen ausgebildet und erzeugen mit vertikalen Schiebe­elementen eine bewegte Außenwirkung.

Das Wohngebäude auf dem Grundstück der alten ­Giesserei bietet durch seine vielfältige Raumaufteilung und Grundrissstruktur den optimalen Lebensraum in einer selbstverwalteten Genossenschaft und bildet durch das verbaute Holz einen ökologischen Kontrast zu der früheren industriellen Nutzung des Grundstücks.

Baujahr
2013
Bauherr
Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen (Gesewo), Winterthur
Fläche
29.265 m²
Standort
Ida Sträuli-Strasse 65, 67, 69, 71, 73, 75, 77, 79
8404 Winterthur
Deutschland
Beteiligte
Bauingenieure HTL SIA, BAKUS, Akustik & Bauphysik GmbH, Zürich, Rotzler Krebs Partner GmbH

Galli Rudolf

Galli Rudolf Architekten AG ETH BSA
Zweierstrasse 100
8003 Zürich
Schweiz

Weitere Projekte